01.03.2024
  • Feuerwehren

Ehemaligentreffen einer vor 50 Jahre gegründeten Löschgruppe

Erinnerungen der 6. Waginger Löschgruppe – „1.000 Geschichten“ parat

Waging. Mittlerweile ist es 50 Jahre her: Einige junge Männer des legendären „Haslberger-Stammtisches“ sind geschlossen im Februar 1974 der Freiwilligen Feuerwehr Waging am See beigetreten. Hans Rentz, als damalige Führungskraft in der Waginger Feuerwehr, hat den Freundeskreis Willi Bauer, Hans Dirnberger, Herbert Häusl, Hias Holzner, Hartmut Krison, Mani Kastner, Karl Metzger, Gerhard Obermaier, Heinrich Schnell und Lois Wimmer, motiviert sich bei den ehrenamtlichen Brandschützern in Waging zu engagieren. Übrigens die einzigen aktiven Feuerwehrmänner, die als reine Erwachsenengruppe in den vergangenen 50 Jahren aufgestellt wurde – lange vor dem Thema „Quereinsteiger bei der Feuerwehr“.


Aus diesem Grund kam es kürzlich genau zum 50. Jahrestag der Gruppengründung zu einem Treffen der damaligen Mannschaft im Restaurant Istria in Waging, zu dem Hans Rentz geladen hatte. Mit einer PowerPoint Präsentation wurde an vergangenen Zeiten erinnert. Als Gäste waren Ehrenkommandant Alois Pfeffer und als Vertreter der aktiven Mannschaft der Waginger Feuerwehr die beiden Kommandanten Michael Schramke und Sebastian Kamml junior, Thomas Pfeffer, sowie Klaus Haslberger vom ehemaligen Café-Treffpunkt mit dabei. Der ehemalige stellvertretende Kommandant Anton Schmid musste sich leider entschuldigen lassen.


Die derzeit aktive Mannschaft war dann auch gleich Thema in der Begrüßung von Hans Rentz: „Als ich heute am Wertstoffhof war, war die Sirenenalarmierung zu einem Einsatz natürlich nicht zu überhören“, lobte Rentz: „Ich habe dann vor Ort miterlebt, dass schon innerhalb drei Minuten nach der Alarmierung die ersten Einsatzfahrzeuge das Feuerwehrhaus verlassen haben“. Karl Metzger, der auch damals der Feuerwehr beigetreten ist und sich heute noch um den Bereitschaftsraum im Feuerwehrhaus kümmert, hat sogar gleich die Tore der Fahrzeughallen geöffnet, um ein zügiges Ausrücken zu ermöglichen. Einmal Feuerwehrmann – immer Feuerwehrmann, ob im aktiven Dienst oder als passives Mitglied!


Auch der ehemalige Kommandant Alois Pfeffer bedankte sich bei der Feier für die geleisteten Arbeiten der ehemaligen 6. Löschgruppe: „In diesen Jahren waren wir auf die Unterstützung dieser neuen Mitglieder sehr angewiesen“, so Alois Pfeffer: „Die Leistung von Hans Rentz war, das Potential dieses „Kaffeehaus-Stammtisches“ zu erkennen und so zu motivieren, dass diese Freunde in die Freiwillige Feuerwehr eintreten und sogar innerhalb von vier Wochen eine Ausbildung bis zur Einsatzfähigkeit abzuschließen.“ In dieser Zeit war auch der Umbruch von einer reinen „Löschorganisation“ zu den vielfältigen Aufgaben und Hilfeleistungen einer Feuerwehr, wie man sie heute kennt. 


Beschaffungen wie das erste Katastrophenschutzboot im Jahr 1974 und die Einführung von Rettungsschere und Rettungs-Spreizer führten zu mehr Einsätzen. Besonders bei den nachzu wöchentlichen schweren Verkehrsunfällen waren die Einsatzkräfte gefordert. Besonders stolz war man, dass unter der Leitung von Löschmeister Hans Rentz in der Kürze nach Eintritt in der Feuerwehr die Leistungsprüfung in Bronze erfolgreich abgelegt wurde. Übrigens nicht die einzigen: 44 Waginger Feuerwehrmänner konnten in diesem Jahr verschiedenste Leistungsprüfungen bestehen.


In den Folgejahren folgten alle Stufen der Leistungsprüfung bis zu Gold-Rot. Auch ging es bald in das Ausland, wo bei Leistungsbewerben in Österreich und Südtirol erfolgreich teilgenommen wurde. Viele Anekdoten aus vergangenen Jahren gab es zu hören. So war es unvorstellbar, dass der „Holzner Hias“, in den folgenden Jahrzehnten ein Feuerwehrmann mit Leib und Seele, anfangs nicht verstand, dass die Waginger Feuerwehr zu Beginn der 1970er Jahre so ein „neumodernes“ Tanklöschfahrzeug benötigen würde. Bei einem kurz darauf stattgefunden Brand in seiner Schreinerei in der Seestraße hätte genau dieses Fahrzeug aber wertvolle Hilfe leisten können.


Nach Rücksprache mit Kommandant Alois Pfeffer konnte Hans Rentz dann Hias Holzner, der beruflich Kraftfahrer war, für die Feuerwehr begeistern. Und genau dieses Tanklöschfahrzeug, dass er anfangs für nicht notwendig erachtete, wurde in den folgenden Jahren „sein Fahrzeug“ mit dem er zu fast jedem Einsatz als Maschinist ausrückte.


Mit Hans Rentz wurden dann auch Beschaffungen wie ein Rüstwagen (RW 1) und ein Mehrzweckfahrzeug (MZF) als Einsatzleitwagen geplant. Auch sah Rentz damals schon die Beschaffung einer Drehleiter für notwendig, die dann auch im Jahr 1990 im Feuerwehrhaus ihren Platz finden sollte. Damals oft als „verrückte Idee“ bezeichnet, so war er mit diesen Planungen seiner Zeit doch weit voraus. „Das hätte aber alles nicht funktioniert, wenn die Zusammenarbeit mit den Kommandanten Alois Pfeffer und Anton Schmid nicht so hervorragend und loyal gewesen wäre. Alois Pfeffer hat es einfach „mit den Leuten gekonnt“, lobte Rentz bei diesem Treffen.


Die „Feuerwehr-Jubilare“ hatten im Laufe der vergangenen Jahrzehnte viele Einsätze zu bewältigen. Schwerere Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Personen, viele weitere Technische Hilfeleistungen und natürlich mussten zahlreiche Brände gelöscht werden. Aus der Gruppe sind unter anderem ein Kreisbrandinspektor, ein stellvertretender Kommandant einer Ortsteilfeuerwehr und Ausbilder auf Landkreisebene hervorgegangen, was die Motivation der „damaligen Quereinsteiger“ unterstreicht. 


Wichtig war auch der Zusammenhalt und die Kameradschaft, welche bis heute anhält und auch durch die anwesenden aller noch in Waging wohnender ehemaligen Gruppenmitglieder bei der Feierlichkeit zum Ausdruck kam. „Wenn wir unter anderem Euch damals nicht gehabt hätten, hätte die Zukunft der Feuerwehr nicht so rosig ausgesehen“, lobte Alois Pfeffer zum Schluss. „Die Gruppe war damals prägend für die Waginger Feuerwehr und es gäbe 1.000 Geschichten zu erzählen“, so der Ehrenkommandant. „Danke noch einmal, dass Ihr über Jahrzehnte so viel gute Arbeit geleistet habt. Und heute schauen wir den Jungen bei der Feuerwehr zu, denn die machen ihre Arbeit auch hervorragend!“.

Text
Thomas Pfeffer
Kreisfeuerwehrverband Traunstein

Bilder
Archiv Feuerwehr Waging
Thomas Pfeffer